Anekdoten aus dem Germania-Rott

 

 

Bademeister Kropp wird Schützenkönig

Der erste Schützenkönig war, so wird jedenfalls erzählt, war der Schützenbruder Theodor Kropp aus der Petersillenstraße.

Mit ihm hatte es eine besondere Bewandtnis, denn es handelte sich um einen sehr armen Mann, der allerdings eine imposante Erscheinung gewesen sein soll. Er trug einen langen roten Vollbart und war, wie man so sagt, ein Bild von einem Mann.

Daß er auch mit einem Gewehr umgehen konnte bewies die beste Zwölf.

Zur Schützenkönigin nahm der stattliche Mann Frau Tappe vom Marktplatz, die seinerzeit im Gebäude der früheren Stadtsparkasse ein Warenhaus betrieb. Von ihr wurde der Schützenkönig völlig neu und kostenlos eingekleidet.

Es wird erzählt, danach habe es kein schöneres Königspaar gegeben, obwohl Blomberg in dieser Hinsicht sicherlich verwöhnt ist.

 

Es verdient auch festgehalten zu werden, daß Seine Majestät damals in den Sommermonaten als Bademeister fungierte und noch Jahre nach diesem Schützenfest in seinem "Schützenfestanzug" zum Dienst ging.

 


Kommandowechsel im Fenster

Von dem ersten Rottmeister August Meier, genannt "Platten‑Meier", ist zu berichten, daß er beim "Grünes" holen einen Tag vor dem Schützenfest vom Baum stürzte und sich eine böse Kopfverletzung zuzog.

Er war dienstunfähig und übergab das Kommando kurzentschlossen seinem Sohn August, der seinerzeit bei der Garde in Berlin als Feldwebel diente. Am Schützenfestmorgen trat das Rott vor dem Haus des Rottmeisters, eben Platten‑Meier, an.

Der Gute ließ es sich nicht nehmen, das Rott von dem Kommandowechsel zu informieren. Er kam mit dick verbundenem Kopf an das Fenster, zwängte den Kopf durch die sogenannte Luftscheibe und hielt eine zündende Ansprache.

Ob nun durch die Anstrengung der Kopf angeschwollen war oder wie immer es passierte, jedenfalls bekam Platten‑Meier seinen Kopf nicht aus der engen Fensteröffnung zurück.

Der Tischlermeister Fritz Tappe sen. mußte erst eine Scheibe entfernen ehe der Rottmeister wieder zur wohlverdienten Ruhe kam.

 

Auf Irrwegen im Burgkeller

In Erinnerung ist noch vielen Schützenbrüdern eine Geschichte, die sich zutrug, als im Jahre 1974 für das damalige Schützenbuch ein Foto gemacht werden sollte:

Der schwarze Anzug gebügelt, der Zylinder frisch gebürstet, so ging Schütze Probach zum Rottlokal. ... Nachdem die Fotos im Kasten waren, hatten Offiziere und Schützen mächtigen Brand, welcher dann bei "Heini" gelöscht wurde.

Danach ging es weiter zum "Scholli". Aber Rottmeister Sommer und Schütze Probach beschlossen, noch in den Burgkeller zu gehen. Gesagt, getan!

Nach einiger Zeit drückte bei Jürgen das Bier, er mußte dringend zur Toilette. Das klappte prima, danach aber wurde es schwierig. Jürgen fand den Weg zur Theke nicht mehr.

Langsam geriet er in Panik und irrte im Kellergewölbe der Burg umher, bis er ein Kellerfenster entdeckte, das mit Spinngewebe behängt war. In voller Schützenmontur kletterte er durch das Fenster ins Freihe.

Im Freihen angekommen, war er voll Lametta (Spinngewebe). Zu seinem Rottmeister im Keller wollte er nicht mehr zurück.

So dekoriert machte er sich auf den Weg nach Hause. Es war wie verhext, er fand das Schlüsselloch nicht. und so klingelte er Sturm. Als Marlies aufmachte und Jürgen mit Spinnengewebe behängt sah, mußte sie laut lachen und fragte: "Wer hat dich so dekoriert?" Aber Jürgen war müde und lallte grinsend: "Ich glaube der Rottmeister sitzt immer noch im Burgkeller und wartet auf mich!"

 

Der Rottmeister, so wurde später erzählt, trank nach erfolglosem Suchen noch einige Biere und machte sich dann zornig auf dem Weg nach Hause. Unterwegs vor dem Amtsgericht, so Zeugen, stutzte er mit seinem Säbel die Hecke. Er war noch wütend, weil Jürgen ihn im Stich gelassen hatte.

 

Misslungener Offiziers-Gruß

Daß das Zücken des Säbels für die Offiziere nicht immer einfach ist und bisweilen die Schützen gar zur heimlichen Rebellion gegen ihre Offiziere neigen, zeigt folgende Anekdote:

 

Die Offiziere und Rottmeister sind für die Organisation und den reibungslosen Ablauf des Schützenfestes zuständig. Eine besondere Aufgabe haben dabei die Rottführer.

 

So müssen sie das Rott in die Marschformation des Bataillons eingliedern. Die Tradition schreibt es vor, daß das abzuholende Rott das Gewehr präsentiert und die Offiziere den vorbeimarschierenden Röttern den gezogenen Säbel zum Gruß präsentieren.

Unser Hauptmann Klaus Sommer hatte sein Rott, wie immer, zackig antreten lassen und wollte zum Gruß seinen Säbel ziehen, er bekam diesen aber nicht aus der Scheide. Um die Situation zu retten, legte er lässig seine Hand zum Gruß an die Mütze. Inzwischen lachte der ganze Zug.

Für uns Schützen war die Sache aber lange noch nicht beendet. Noch beim Rundmarsch forderten die Offiziere eine harte Strafe (100 Liter Bier) für dieses Vergehen. Es hatte sich nämlich herausgestellt, daß der Säbel mit einem Holzkeil in der Scheide verkeilt war.

Der oder die Täter konnten trotz verstärkter Fahndung nicht ermittelt werden...

 

Die Geschichte sorgt noch heute im Rott für Gelächter, und die Offiziere gehen nicht mehr zum Antreten, ohne vorher zum Testen ihre Säbel "blank gezogen" zu haben!

 

 Nächste Veranstaltung:

Unsere Partner:

Update am 04. Mai 2012:

Berichte:

Ehrenoffizier Karl-Heinz Tölle feiert 85. Geburtstag!

Besucherzaehler